Beiträge und Diskussionen in Taschenlampen-Foren

Discussion in 'Kaufberatung' started by msitc, Jan 31, 2016.

  1. msitc

    msitc Administrator Staff Member

    Ich erlebe regelmäßig bei Anfragen zu Taschenlampen, Akkus, Ladegeräten usw., dass netterweise auch gleich noch Links zu Beiträgen oder Diskussionen in Taschenlampen-Foren mitgeliefert werden, vor allem dann, wenn ein Produkt nach Meinung diverser “Spezialisten” schlecht ist. Da ich es für ineffizient halte, mich bei meinen Antworten auf solche Hinweise jedes Mal zu wiederholen, erschien es mir sinnvoller, einen entsprechenden Artikel zu verfassen, in dem ich meine Meinung zu diesem Thema darlege. Eines möchte ich gleich vorweg nehmen: Ich möchte für mich nicht in Anspruch nehmen, dass ich alles weiß und jede mir gestellte Frage bis in kleinste Detail beantworten kann. Eines mache ich jedoch auf keinen Fall: Ich bewerte und beurteile keine Produkte, die ich selber nicht getestet habe, und das ist schon mal ein ganz großer Unterschied zwischen mir und selbsternannten Fachleuten, wie man sie zuhauf im Internet antrifft.

    Selbstverständlich werde ich hier keine Namen nennen, sondern ein paar Erfahrungen neutral wiedergeben.

    Nun, um damit gleich mal einzusteigen: Foren sind üblicherweise dazu da, sich bei beliebigen Themen mit gleichgesinnten auszutauschen. Abhängig vom jeweiligen Forum können dabei unterschiedliche Diskussionskulturen entstehen, auch die Qualität der Beiträge unterscheidet sich je nachdem ziemlich stark. In Diskussionsforen tummeln sich viele unterschiedliche Charaktere. Da gibt es beispielsweise den Überprofi, dessen Beiträge mit einem ehrfürchtigen Raunen zur Kenntnis genommen werden – was er sagt, ist Gesetz. In vielen Fällen sind Beiträge von solchen Leuten tatsächlich von hoher Qualität und fachlich richtig, aber eben nicht immer. Ich erwähne das deshalb ausdrücklich, weil speziell Newbies tatsächlich schnell dazu tendieren, derartige Beiträge als die einzige Wahrheit zu betrachten und sich dann nicht (mehr) die Mühe machen, selbst zu recherchieren.

    Ebenfalls bemerkenswert ist der Typ “Für mich gibt es nur Marke XYZ und der Rest taugt nix!”. Hier gilt es, besonders genau hinzuschauen: Warum ist jemand von einer Marke dermaßen überzeugt? Liegt das tatsächlich an einzigartigen Merkmalen, die jene Marke zu bieten hat? Oder ist es vielleicht doch eher so, dass die Begeisterung von einer regelmäßigen Belieferung durch den Hersteller mit Testmustern herrührt und deshalb die entsprechende Marke vehement bei jeder sich bietenden Gelegenheit beworben und empfohlen werden muss?

    Ich nehme an, dass nicht jedem bekannt ist, wie das mit Samples üblicherweise läuft: Es gibt bekannte Reviewer, wie beispielsweise selfbuilt aus dem CPF. Diese werden von Herstellern angeschrieben und gefragt, ob sie nicht Lust hätten, Reviews zu neuen Produkten zu erstellen. Üblicherweise verbleiben die Testmuster dann beim Reviewer, und was er damit macht, ist dann seine Sache – er kann sie also ohne weiteres auch verkaufen und zu Geld machen, wenn er möchte. Wenn allerdings in Foren regelmäßig Werbebanner von Herstellern zu sehen sind, die sich auch spendabel beim Umgang mit Review-Samples zeigen und alle darauf basierenden Reviews das entsprechende Produkt nur im allerbesten Licht erscheinen lassen, dann sollte man sich meiner Meinung nach durchaus Gedanken über die “Unabhängigkeit” des jeweiligen Forums/Reviewers machen.

    Damit komme ich auch gleich schon zum nächsten Charakter, den ich der Einfachheit halber als Nachplapperer bezeichnen würde. Ein Nachplapperer ist für mich jemand, der unreflektiert das wiederholt, was er von anderen gehört bzw. gelesen hat. Er macht sich üblicherweise nicht die Mühe, selbst zu recherchieren und ist auf wundersame Art und Weise in der Lage, Produkte zu beurteilen, die er selbst gar nicht besitzt und auch auch nie sein Eigen nennen wird, weil er daran gar nicht interessiert ist. Das mit der Beurteilung von Produkten ist aber nicht nur auf den Nachplapperer beschränkt; häufig findet man diese sensationelle Fähigkeit auch bei “Fachleuten” oder solchen, die sich dafür halten.

    Apropos Fachleute: Hier scheint es auch zum guten Ton zu gehören, grundsätzlich erst einmal Herstellerangaben anzuzweifeln. Na klar, als Fachmann darf man das, und zwar völlig unabhängig davon, ob die Zweifel berechtigt sind oder nicht. Oftmals wird dann auch selbst mit obskuren Messmethoden der Versuch unternommen, einem Hersteller nachzuweisen, dass seine Angaben falsch sind. Hier sollte sich jeder selbst die Frage stellen, wem er eher Glauben schenken mag: Einem Hersteller, der üblicherweise über professionelles Equipment wie beispielsweise eine Ulbricht-Kugel verfügt und nach bestehenden und anerkannten Standards (ANSI) Messungen vornimmt oder dem “Fachmann”, der seine Lumenmessungen im Schuhkarton durchführt und stolz sein Ergebnis den Mitforisten präsentiert?

    Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Es gibt in Taschenlampen-Foren definitiv kompetente Leute, das möchte ich gar nicht abstreiten, und es gibt auch fundierte Beiträge, die Hand und Fuß haben. Gleichwohl sollte man sich darüber im klaren sein, dass – um das Kind mal beim Namen zu nennen – es auch zahlreiche Posts gibt, die sich hauptsächlich durch Halbwahrheiten oder Unwissenheit auszeichnen. Aus meiner Sicht sollte man sich selbst beim Stöbern in Taschenlampen-Foren auch regelmäßig die Frage stellen, wer dort alles unterwegs ist und – fast noch wichtiger – mit welchen Interessen? Wer kann sagen, wer sich hinter der Anonymität eines Nicknames verbirgt? Ist es ein Hersteller, der Mitbewerber in einem schlechten Licht erscheinen lassen möchte und deshalb deren Produkte diffamiert, während hingegen seine eigenen Produkte in höchstem Maße gelobt werden? Oder ist es jemand, der regelmäßig (hochpreisige) Testmuster von einem Hersteller erhält und im Gegenzug dessen Produkte als das einzig wahre darstellt und gleichzeitig die Gelegenheit nutzt, Produkte von Mitbewerbern fleißig zu bashen? Sie sehen selbst: Fragen über Fragen. Ich kann und möchte sie nicht beantworten, dafür aber auf jeden Fall zum Nachdenken anregen.
     

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