Kauf bei ausländischen Händlern wirklich soviel billiger?

Discussion in 'Kaufberatung' started by msitc, Nov 10, 2011.

  1. msitc

    msitc Administrator Staff Member

    "Das bekomme ich bei eBay aber viel günstiger!" oder "Die XYZ habe ich bei ABC aber schon viel billiger gesehen!" sind zwei gängige Anmerkungen, die ich in Beratungsgesprächen des öfteren höre.

    Natürlich bekommt man sehr vieles im Ausland (augenscheinlich) billiger, allerdings sollte man sich beim Kauf von Taschenlampen oder Zubehör bei ausländischen Händlern über folgende Punkte im klaren sein - das böse Erwachen hat nach dem Kauf schon so manch einen erwischt...

    1. Der angegebene Preis ist nicht der Endpreis

    Kostet ein im Ausland bestellter Artikel mehr als 22 Euro, dann kommt die Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19% dazu. Oft kann man in Internetforen auch teilweise prahlerische Erfahrungsberichte von Leuten lesen, deren Sendung aus dem Ausland durch den Zoll geschlüpft ist und die deshalb um die Einfuhrumsatzsteuer herumkamen. Beachten Sie dazu bitte folgenden Hinweis: Es handelt sich hier tatsächlich um Steuerhinterziehung, wenn man sich nicht rückwirkend an das zuständige Zollamt wendet!

    Rechnet man nun die 19% Einfuhrumsatzsteuer hinzu, dann wird aus dem vermeintlichen Schnäppchen ganz schnell keines mehr, denn bei einem Warenwert ab 150 Euro kommt noch der entsprechende Zollsatz obendrauf! Hinzu kommt, dass der Zoll seit 01.07.2011 Elektronikartikel wie Taschenlampen oder auch Ladegeräte wesentlich schärfer auf CE-Konformität kontrolliert. Ist ein im Ausland bestellter Artikel nicht CE-konform, dann zieht ihn der Zoll im schlimmsten Fall für den Käufer ein, und schon wieder ist der Traum vom Schnäppchen aus und vorbei.

    Update vom 12.08.2014: Wer glaubt, dass der Zoll keine selbst importierten Taschenlampen konfisziert und ggf. auch der Vernichtung zuführt, der irrt sich gewaltig. Zweifler sollten sich ruhig diesen Thread zu Gemüte führen.


    2. Was passiert im Schadens- bzw. Gewährleistungsfall?

    Ein deutscher Händler ist gesetzlich zu 24 Monaten Gewährleistung verpflichtet - wie aber sieht es im Gewährleistungsfall beim ausländischen Händler aus? Hat ein ausländischer Händler seinen Sitz in einem EU-Staat, mag die Sache vielleicht noch ganz gut aussehen, doch wie verhält sich das ganze, wenn der Verkäufer sich in einem Nicht-EU-Land wie China befindet?

    Gehen wir vom normalen Gewährleistungsfall aus: Auch eine hochwertige Taschenlampe kann eines Tages defekt sein. In diesem Fall wendet sich der Käufer an den Händler, bei dem er den Artikel erworben hat und klärt die Sache mit ihm ab. Fakt ist: Der Kunde kann sich in seiner Muttersprache mit dem Händler verständigen, etwaige Unstimmigkeiten dürften damit deutlich schneller aus dem Weg geräumt sein, als wenn man sich z.B. der englischen Sprache zur Kommunikation mit dem Händler bedienen müsste.

    Nun das andere Beispiel, nämlich beim Kauf einer Taschenlampe im Ausland: Zunächst muss sich der Käufer darum kümmern, dass die Taschenlampe an den Händler im Ausland retourniert wird. Üblicherweise wird man die Taschenlampe als versichertes Paket versenden, wenn sie entsprechend hochwertig ist. Hat man die Lampe bei einem Händler aus Hong Kong gekauft, dann kann man sich schon mal mit dem Gedanken anfreunden, bei Versand via DHL als versichertes Paket ca. 40 Euro(!) nur an Versandkosten auf den Tisch zu legen.

    Dass der Händler in Hong Kong die Versandkosten aus Kulanz nun erstattet, dürfte eher unwahrscheinlich sein, denn dann wäre sein Gewinn an der verkauften Taschenlampe nicht nur weg, er dürfte damit sehr wahrscheinlich sogar Minus machen. Ebenso unwahrscheinlich ist, dass der ausländische Händler dem Käufer einen kostenlosen Versandaufkleber für den Versand der defekten Taschenlampe zukommen lässt.


    3. Original oder Fälschung?

    Wenn ein Händler hier in Deutschland gefälschte Produkte verkauft, dann kann er sich schon mal warm anziehen. Wie aber sieht es mit dem Verkauf gefälschter Artikel aus, wenn der entsprechende Händler im Ausland sitzt und damit nach der deutschen Gesetzgebung kaum greifbar ist?

    Es ist eine Tatsache, dass auf diversen Online-Märkten z.B. gefälschte Marken-Akkus angeboten werden. Der vermeintliche Schnäppchen-Käufer wird sich zunächst riesig darüber freuen, dass er einen Markenartikel - für den er bei einem deutschen Händler deshalb mehr bezahlt, weil dieser eben das Original verkauft - so günstig bekommen hat, aber die damit verbundene potentielle Gefahr ist ihm zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich in keinster Weise bewusst.

    4. Sprachbarrieren

    Spricht der chinesische Händler deutsch? Klappt die Kommunikation problemlos bei Rückfragen, Problemen oder defekten Artikeln? Oder muss der chinesische Händler alle Mails erst durch sein Übersetzungsprogramm jagen, damit überhaupt eine Kommunikation möglich ist?

    Abschließend möchte ich sagen, dass es selbstverständlich jedem überlassen bleibt, wo er Taschenlampen, Akkus oder Ladegeräte bezieht. Da ich die Argumentation "im Ausland ist es viel billiger!" jedoch des öfteren höre, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, die Fakten zu diesem Thema zusammenzustellen, um das Thema Kauf im Ausland von allen Seiten zu beleuchten.

    5. Abholung der Artikel beim Zoll

    In der Regel wird man die bestellten Artikel beim Zoll abholen müssen. Kalkulieren Sie dafür - je nachdem, wo sich Ihr zuständiges Zollamt befindet - vorsorglich schon mal etwas mehr Zeit für die Abholung ein, denn längere Wartezeiten sind nicht außergewöhnlich. Hinzu kommen die Fahrtkosten, die in Zeiten hoher Spritpreise je nach Verbrauch auch mit dem einen oder anderen Euro zu Buche schlagen können.


    Tags: Kauf,Ausland,Taschenlampen,Akkus,Ladegeräte,Shop,eBay,Gewährleistung,Problem,China,Händler,Original,Fälschung,CE,CE-Konformität
     
    Last edited: May 23, 2015
  2. msitc

    msitc Administrator Staff Member

    Aufgrund eines aktuellen Ereignisses möchte ich kurz ein Rechenbeispiel bringen, weil es nach wie vor unglaublich schlaue Menschen gibt, die anderen in Internet-Foren gute Ratschläge dazu erteilen, wie man möglichst günstig im Ausland (in diesem Fall in China) Taschenlampen bestellen kann. In diesem Beispiel geht es um eine Taschenlampe im Wert von 209 USD, die wir im Shop für 220,- Euro anbieten. Der aktuelle Dollarkurs liegt heute (Stand 24.05.2015) bei 1,10, und diesen Kurs nehme ich als Grundlage für mein Beispiel:

    1. Warenwert in EUR: 209/1,10 = 190 EUR

    2. Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19% auf 190 EUR = 36,10 EUR

    3. Zoll ab 150 EUR Warenwert (ca. 4,7%) auf 190 EUR = 8,93 EUR

    Übrigens: Was hier noch fehlt, sind natürlich die Versandkosten, denn die werden bei der Berechnung der EUST auch berücksichtigt. Da mich aber ehrlich gesagt nicht interessiert, was der chinesische Händler an Versandkosten berechnet, überlasse ich das jedem selbst, diesbezüglich zu recherchieren.

    Die Endsumme beträgt damit 235,03 EUR vs. 220,- EUR. Nun kann sich jeder selber ausrechnen, was ihn letztendlich günstiger kommt: Die Bestellung beim deutschen Händler mit allen Vorteilen (Ware wird innerhalb von 2-3 Werktagen geliefert, es gilt die gesetzliche Gewährleistung, der Händler antwortet bei Fragen auf deutsch, es liegt eine deutsche Bedienungsanleitung usw.) oder beim chinesischen Händler mit allen damit verbundenen Nachteilen, wie beispielsweise Sprachprobleme, hohe Kosten bei Rücksendung der Ware im Problemfall usw.
     
  3. msitc

    msitc Administrator Staff Member

    Hier noch ein Beispiel für herausragenden Service, wie ihn ein Händler aus dem asiatischen Raum bietet: http://budgetlightforum.com/node/43748

    Ich übersetze das mal kurz: Jemand hat bei gearbest ein augenscheinlich defektes Ladegerät bestellt. Auf die Frage nach einer Reparaturmöglichkeit bekommt der Kunde folgende Optionen angeboten:

    1. Er kann den Artikel gemäß den Bedingungen des Händlers zurückschicken und eine kostenlose Reparatur erhalten

    2. Er kann den (defekten) Artikel behalten und bekommt dafür einen Teilbetrag von 5 USD(!) auf sein Kundenkonto beim Händler gutgeschrieben

    3. Jetzt wird es wirklich interessant: Der Händler bietet dem Kunden an, ihm Ersatz zu liefern und bittet gleichzeitig darum, dass der Kunde einen Teil der Kosten für den Ersatzartikel übernimmt. Mehr noch: Die Versandkosten werden mit 80 USD(!) in Rechnung gestellt, wenn der Kunde einen funktionierenden Artikel haben möchte.

    Ehrlich gesagt muss das aus meiner Sicht nicht weiter kommentiert werden.
     
  4. msitc

    msitc Administrator Staff Member

    Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch die ersten gefälschten CREE-LEDs auftauchen. Dass solche plumpen Fälschungen oder Nachbauten in hochwertigen Qualitätstaschenlampen von Lumapower, Niwalker oder MTE verbaut werden, halte ich für so gut wie ausgeschlossen - bei einer Taschenlampe, die für drei Euro auf eBay angeboten wird, wäre ich mir hingegen nicht so sicher, denn irgendwie muss der günstige Preis ja zustande kommen.
     

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